Erfahrungsberichte von Gästen und Teilnehmern
Reiten - nur ein Kindheitstraum?
Als ich 14 Jahre alt war, standen in meinem Bücherregal - neben einer
ständig wachsenden Zahl von Karl-May-Büchern - fast ausschließlich
Pferdebücher. 'Flicka heißt mein freches Pony', 'Kessi und Blessi', aber
auch 'So lerne ich reiten', 'Alles über Pferde'.
Theoretisch meinte ich
alles zu wissen, was man über Pferde wissen musste.
Praktisch allerdings
beschränkte sich mein Kontakt zu Pferden auf Sichtkontakt, und hin und
wieder mal ein verstohlenes Streicheln einer Pferdenase am Wegesrand.
Wie gern hätte ich reiten gelernt, auf einem Pony die Welt erkundet,
über Stock und Stein.
Aber der nächste Reitstall war nicht nur 20 km
entfernt, sondern auch ein exclusiver Club und völlig unbezahlbar.
Die ländlichen Ponyhöfe, auf denen die Heldinnen meiner Pferderomane gegen
ein wenig Stallarbeit reiten lernten, schienen ein Phänomen zu sein, das
in Ostwestfalen noch nicht angekommen war.
Ein Rückenproblem mit anschließender Operation war das endgültige Aus für jede Reitambition -
und irgendwann über Studium, Job und Lebenspartner geriet der Traum in
Vergessenheit.
Übrig blieb nur das warme Gefühl im Bauch, sobald ich
irgendwo Pferde erblickte.
Irgendetwas - ich weiß gar nicht mehr, was es war - spülte den
Kindheitstraum wieder an die Oberfläche.
Vielleicht war es der Umzug ins Münsterland mit seinen vielen Pferden, die Haflinger, die ich regelmäßig
auf meiner Nordic-Walking Strecke sah, vielleicht auch einfach das Alter
Anfang 40, in dem man immer mal wieder Bestandsaufnahme macht.
Jedenfalls stolperte ich irgendwann im Internet über das Thema 'Reiten
als Gesundheitssport', und das ließ mich nicht mehr los.
Wenn es Reiten
sogar als Therapie bei Behinderten gibt, und als Prophylaxe im
Gesundheitsbereich - warum sollte ich dann nicht zumindest einmal in
meinem Leben auf einem Pferderücken sitzen dürfen?
Meinen Kindheitstraum erfüllen, für ein Wochenende oder so, solange mein
lädierter Rücken noch mitmacht?
Also durchforstete ich das Internet
nach weiteren Informationen und landete irgendwann bei
www.hippo-therapie-berlin.de.
Das Kursangebot war genau das richtige: kein Schicki-Micki-Reitclub,
sondern Pferde zum Anfassen.
Nicht nur Reiten und Tiere abgeben, sondern
mit Pferden und an Pferden arbeiten.
Kleine bis kleinste Gruppen.
Ein Wochenende zu einem sehr moderaten Preis - also ein überschaubares
Risiko.
Und vor allem: eine Reitlehrerin, die Physiotherapeutin ist,
also beurteilen kann, ob ich gerade aus medizinischer Sicht eine
Dummheit begehe.
Ich fasste mir ein Herz und nahm per E-Mail Kontakt
auf.
Und fühlte mich vom ersten Moment an gut beraten - die Wellenlänge
stimmte.
So kam es, dass ich eines Morgens mit klopfendem Herzen vor Flori, Amy
und Luna stand und nicht nur gucken, sondern selbst machen durfte.
Theoretisch kannte ich das alles (na ja): Striegel, Hufkratzer, Trense,
aber wie anders war es direkt am Pferd.
Und ganz toll: Corinna wollte uns nicht in erster Linie das Reiten bei- sondern das Pferd
näherbringen.
Bei ihr merkt man immer, dass die Natur des Pferdes das
Maß aller Dinge ist.
Das gefällt mir, denn machen wir uns nichts vor:
ein Pferd ohne Reiter ist immer noch ein Pferd, aber ein Reiter ohne
Pferd......
2 Wochenenden habe ich auf dem Zossenhof verbracht, ein ziemlich hoher
Aufwand für jemanden, der im Münsterland lebt.
Aber es war genau das, was ich mir gewünscht habe. Ich weiss jetzt, dass ich von Pferden und
Reiten eigentlich gar keine Ahnung habe.
Und natürlich reichten die wenigen Stunden gerade mal aus, um eine ungefähre Vorstellung zu haben,
was Reiten sein könnte.
Mehr als ein paar Runden im Schritt waren nicht drin, ein paar Versuche, dem Pferd zu sagen, was ich will.
Und wenn es mal geklappt hat: ich glaube, den allergrößten Anteil daran hatten
Flori, Amy und Luna selbst, die so hervorragend ausgebildet waren, dass
sie sich auch von meiner Unfähigkeit nicht beeindrucken ließen.
Und ich
wusste ja von vornherein, dass ich nie werde traben oder gar galoppieren
dürfen - der Rücken macht das nicht mit.
Aber ich habe Pferde geputzt, aufgezäumt, gefüttert,
ich habe Stallluft gerochen, mit Gleichgesinnten gesprochen und viel, viel neues über Pferde gelernt.
Für mich war es ein Schnupperkurs, wie ich ihn mir erhofft hatte.
Und die Erfüllung eines Jugendtraums - eine Erfahrung, die ich nicht mehr
missen möchte.
Heike Auel, Werne
Abschiedsgrüße
Hallo Corinna,
danke für deine E-Mail. Meine ersten Reitversuche bei dir und Luna, das Kuscheltier, bleiben unvergessen.
Ich bin beim Kisten packen, am 11.11. (kein Faschingsscherz) entschwinde ich, ich zieh um nach Portugal.
Hab mir dort ein kleines Apartment gemietet, erstmal für 2 Jahre, mal sehn, was draus wird.
Es freut mich, dass ihr euch gut eingelebt habt und es auch gut läuft.
Ich drück die Daumen, dass es so weitergeht, man hört leider immer wieder von Höfen, die aufgeben müssen.
Corinna, ich wünsch euch alles Gute, und ich möchte dir nochmal herzlich danken für die Stunden mit dir
und die freundliche und einfühlsame Begleitung bei meinen ersten Reitversuchen.
Danke für den Pferdevirus.
Alles Gute und liebe Grüße
Weddingeule (nicht mehr lange, dann muß ich mir nen neuen Namen ausdenken)